Baumwolle wird in Afrika überwiegend in Regionen angebaut, die den Folgen des Klimawandels besonders ausgesetzt sind, die zu den ärmsten Regionen in ihren jeweiligen Ländern zählen und die heute auch vielfach aufgrund der Aktivitäten terroristischer, meist islamistischer Banden einem hohen Maß an Unsicherheit ausgesetzt sind. Das gilt insbesondere für Burkina Faso, Mali und dem Tschad.  Und das galt auch bis vor kurzem für den Norden Kameruns.

Nachhaltigkeitsstandards wie Cotton Made in Africa (CmiA) können bei der Verbesserung von Lebensbedingungen von KleinbäuerInnen in Afrika eine wichtige Rolle spielen.

Verantwortlicher Konsum und Produktion sind ein Schlüssel für nachhaltige Entwicklung und sind deshalb für sich genommen ein „Sustainable Development Goal (SDG 12)“. Konsum und und Produktionsmuster müssen sozial verantwortlich und wirtschaftlich lebensfähig sein.

Cotton Made in Africa (CmiA) ist eine Zertifizierungsinitiative innerhalb der Textilindustrie. Sie wurde vor 18 Jahren als eine der größten private public Partnerschaften der deutschen Entwicklungszusammenarbeit mit privaten Unternehmen und privaten Stiftungen für eine Landwirtschaftsbasierte Lieferkette gegründet. CmiA, wie auch der Schwesterstandard BCI, will die Einhaltung spezifischer ökologischer und sozialer Standards im Produktionsprozess von Baumwolle sicherstellen. Wo immer der Standard implementiert ist und überwacht wird, bietet er Konsumenten und textilen Einzelhändlern die Gewissheit, dass die Baumwolle in den in Frage kommenden Textilien in Übereinstimmung mit den Kriterien von CmiA (BCI) hergestellt wurde. Zurzeit produzieren in Afrika eine Millionen kleinbäuerlicher Haushalte mit 6 – 7 Millionen Familienmitglieder gemäß den Standards der Marke CmiA.

Dieses Policy Paper diskutiert die Wirkung, die die Einführung von CmiA auf die zertifizierten Farmer hat, wie auch die Frage, welche weiteren Herausforderung sich für die Standards nach erfolgreicher Einführung stellen. Daraus werden generelle Schlussfolgerungen für Nachhaltigkeitsstandards gezogen. Die wesentlichen Schlussfolgerungen sind die Folgenden:

  • CmiA zeigt, dass Nachhaltigkeitsstandards nicht nur in hochpreisigen Nischen-Märkten funktionieren, sondern dass sie auch im Massenmarkt erfolgreich sein können.
  • Obwohl Baumwolle kein Nahrungsmittel ist, können die mit Hilfe der Baumwolle erzielten Einkommen, die Nahrungsmittelsicherheit für die KleinbäuerInnen erhöhen. Gleichzeit erhöht auch die mit der zertifizierten Baumwolle einhergehende Produktion von Nahrungsmitteln, die „food security“.
  • Das Setzen von Standards muss mit Unterstützung für die Farmer verbunden werden, dass sie diese Standards auch erfüllen und positive Wirkungen für sich generieren können. Es bleibt eine große Herausforderung, nicht nur die Einhaltung sozialer und ökologischer Mindeststandards sicher zu stellen, sondern auch ein „living income“ für die KLeinbäuerInnen zu erzielen.
  • So sehr die öffentliche Ko-Finanzierung der Start- und Aufbauphase von Nachhaltigkeitsstandards sinnvoll ist, so sehr muss sichergestellt werden, dass die Standards nach Abschluss der Aufbauphase aus der Wertschöpfungskette heraus finanziert werden. Der textile Einzelhandel und die Konsumenten müssen schließ endlich den Preis dafür zahlen, dass die Textilien unter nachhaltigen Bedingungen produziert wurden.
  • Weil die Implementierung von Nachhaltigkeitsstandards im Massenmarkt und in den Produktionsländern Zeit und Geduld erfordert, kann nicht erwartet werden, dass sich die Lebensbedingungen und Einkommen der Farmer schon kurz- und mittelfristig dramatisch verbessern. Es ist deshalb wichtig mit langem Atem und über viele Jahre, in die kleinbäuerliche Produktion und ihr Umfeld zu investieren.
  • Der Übergang von einer Pestizid intensiven Baumwollproduktion zur einer biologischen Schädlingsbekämpfung erscheint möglich, ohne dass deswegen größere Produktivitätsverluste in Kauf genommen werden müssen.
  • Um zu ermitteln, ob und in welchem Umfang sich die Lebensbedingungen und Einkommen der zertifizierten KleinbäuerInnen tatsächlich verbessern, bedarf es einer detaillierten und kontinuierlichen Wirkungsanalyse, die auf die komplexen Bedingungen kleinbäuerlicher Produktion in Afrika angepasst ist.

Die gesamte Studie, bzw. den Policy Brief können Sie unter dem folgenden Link einsehen:

https://www.idos-research.de/policy-brief/article/cotton-made-in-africa-a-case-study-of-sustainable-production-through-responsible-consumption/: Cotton Made in Africa: Eine Fallstudie über nachhaltige Produktion aufgrund verantwortlichen Konsums

Autor

  • Roger Peltzer

    70 Jahre alt, verheiratet, 3 Kinder und bald 4 Enkel. Ich habe an der Universität Münster Volkswirtschaft studiert und anschließend den postgraduierten Kurs am deutschen Institut für Entwicklungspolitik (heute IDOS) absolviert.

    Alle Beiträge ansehen
Cotton Made in Africa: Eine Fallstudie über nachhaltige Produktion aufgrund verantwortlichen Konsums

Roger Peltzer


70 Jahre alt, verheiratet, 3 Kinder und bald 4 Enkel. Ich habe an der Universität Münster Volkswirtschaft studiert und anschließend den postgraduierten Kurs am deutschen Institut für Entwicklungspolitik (heute IDOS) absolviert.


Beitragsnavigation


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Consent Management Platform von Real Cookie Banner